Die 41. Tage Alter Musik in Regensburg (22. bis 25. Mai 2026)
von Ingo Negwer
Die Tage Alter Musik Regensburg boten am Pfingstwochenende wieder 18 Konzerte mit Musik vom Mittelalter bis zur Romantik. Das Festival brachte Musikerinnen und Musiker aus ganz Europa an die Donau und verwandelte historische Spielorte der Stadt einmal mehr in einen Treffpunkt für Liebhaber Alter Musik. Für mein persönliches Festivalprogramm hatte ich aus dem vielfältigen Angebot zwölf Konzerte ausgewählt.
Das Eröffnungskonzert bestritten die Regensburger Domspatzen in diesem Jahr
mit einem romantischen Programm. Den Auftakt bildete Felix
Mendelssohn-Bartholdys Vertonung des 115. Psalms, Non nobis Domine op. 31. Im
Mittelpunkt des Abends stand jedoch Carl Maria von Weber, dessen Todestag sich
heuer zum 200. Mal jährt. Sein erstes Klarinettenkonzert in f-Moll
interpretierten Ernst Stadler und Musica Florea Prag mit großer Intensität. Der
erste Satz wirkte aufgewühlt, dramatisch und beinahe sinfonisch. Es folgte ein
wunderschönes Adagio ma non troppo, das in seiner kantablen Linienführung an
eine Opernarie erinnerte. Mit einem heiteren Rondo in F-Dur endete das Konzert.
Ernst Stadlers farbenreiches und virtuoses Spiel auf der Kopie einer Klarinette
nach Augustin Rorarius (Wien 1815) begeisterte vom ersten Ton an. Tosender
Applaus begleitete die Musiker, einschließlich der Domspatzen, die dem
Weber-Konzert vom Podium aus aufmerksam zugehört hatten, schließlich in die
Pause. Im zweiten Teil erklang Webers Missa sancta G-Dur, die sogenannte
„Jubelmesse“. Hier brachten die Domspatzen unter der Leitung von Christian Heiß,
wie bereits zu Beginn bei Mendelssohn, ihre sängerischen Qualitäten voll zur
Geltung. Nicht minder überzeugend präsentierte sich das Solistenquartett Lara
Rieken (Sopran), Sinja Maschke (Alt), Julian Habermann (Tenor) und Matthias Lika
(Bass).

Ernst Stadler (Klarinette) und Domkapellmeister Christian Heiß;
aufmerksam
zuhörend im Hintergrund: die Regensburger Domspatzen (Foto: Ingo Negwer)
Im ersten Nachtkonzert stellte das französische Vokalensemble Irini die streng kontrapunktische Musik von Heinrich Isaak orthodoxen Gesängen aus Georgien gegenüber. Eingebunden in einen thematischen Rahmen von Leben, Tod und (Wieder-)Geburt sangen die acht Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Lia Hajosi auf höchstem stimmlichen Niveau und mit beachtlicher Transparenz. So erfüllte beispielsweise das Kyrie eleison aus Isaaks Missa de Martyribus wie eine quasi magische Anrufung Gottes den großen Raum der Dominikanerkirche. In den liturgischen Gesängen aus Georgien konnte man eine für die orthodoxe Kirche ungewöhnliche, wenngleich schlichte Mehrstimmigkeit vernehmen, die an das frühe mittelalterliche Organum erinnerte. Dieses außergewöhnliche Repertoire, aber vor allem auch die hervorragende Musik Heinrich Isaaks ließen aufhorchen. So bekam man schon am ersten Festivaltag eine Ahnung davon, dass die Tage Alter Musik in diesem Jahr wieder einmal ganz besondere Entdeckungen bereithalten würden.

Das Ensemble Irini in der Dominkanerkirche (Foto: Ingo Negwer)
Ich setzte meine Regensburger „Konzertreise“ am Samstagnachmittag fort. „Johann Sebastian Bachs Welt der Tasteninstrumente“, in diesem Jahr mit vier Konzerten ein besonderer Festivalschwerpunkt, stand auf dem Programm. Pierre Gallon stellte in St. Ägid Cembalowerke von Johann Sebastian Bach einer Suite des Zeitgenossen François Couperin gegenüber. Die Französische Suite h-Moll BWV 814 leitete er mit einer von Bach einst selbst kopierten Ouvertüre von François Dieupart ein. Der Französischen Suite Nr. 5 G-Dur stellte er als Prelude das Adagio BWV 868 voran. Im Begleittext des wieder einmal vorzüglichen Programmhefts („Buch“ trifft den Umfang des über 160-seitigen Druckwerks besser) weist Gallon darauf hin, dass es durchaus zeitgenössische Quellen gibt, die diese Praxis, den sogenannten Französischen Suiten Präludien bzw. Ouvertüren voranzustellen, belegen. Pierre Gallon spielte die Bachschen Werke ruhig fließend und mit einer eleganten Leichtigkeit. Filigran und farbenreich interpretierte er auch die Auswahl von Stücken aus Couperins Sixième Ordre. Er erwies sich so als rundum kundiger Sachwalter des französischen Stils.
In der Schottenkirche ging es später um den italienischen Einfluss auf
Johann Sebastian Bachs Cembalowerke. Bertrand Cuillier spannte einen großen
Bogen über die Chromatische Fantasie d-Moll, das Concerto BWV 974 nach
Alessandro Marcello, das Concerto D-Dur BWV 972 nach Antonio Vivaldi, die
Toccata e-Moll BWV 914 bis hin zum berühmten Italienischen Konzert BWV 971. Zwei
Sonaten von Domenico Scarlatti und zwei frühbarocke Kompositionen von Giovanni
Battista Ferrini bildeten Intermezzi und Ruhepunkte in einem Programm, das von
der ersten bis zur letzten Note das Publikum in den Bann der Bachschen
Klaviermusik zog. Insbesondere in dessen Adaption des Violinkonzerts op.3 Nr. 9
von Vivaldi beeindruckte Cuillier mit einem wunderschönen lyrischen Larghetto
und einem virtuos auftrumpfenden Schlusssatz. Die sympathische Kommunikation des
französischen Cembalisten tat das ihrige, dass dieses Konzert zu einem
gefeierten Erfolg und einem der Highlights der Tage Alter Musik 2026 wurde.

Konzentriert am Cembalo: Bertrand Cuillier (Foto: Ingo Negwer)
Zwischen den beiden Kammerkonzerten mit Cembalo stand ein Konzert mit geistlicher Musik und Concerti grossi von Alessandro Scarlatti auf dem Programm. L’Escadron Volant de la Reine aus Frankreich mit den vorzüglichen Sängern Maïlys de Villoutreys (Sopran), Eugénie Lefebvre (Sopran), Anthea Pickanick (Mezzosopran), Paco Garcia (Tenor) und Renaud Brès (Bass) gestaltete seinen Auftritt in der Emmauskirche gleichsam wie eine Passionsandacht. Auf das einleitende Concerto grosso f-Moll folgte ein Miserere mei Deus für fünf Sänger, Streicher und Basso continuo. Zwei Responsorien zur Karwoche umrahmten anschließend das Concerto grosso d-Moll. Maïlys de Villoutreys glänzte als Solistin in der Lectio Secunda aus den Lamentationen zur Karwoche. Ein weiteres Miserere mei Deus a capella schloss sich an. Es folgten Pietro Andrea Zianis Sonata a 5 op. 7 Nr. 4. als instrumentales Intermezzo und die Lectio pro defunctis Parce mihi Domine von Marc’Antonio Ziani (dem Neffen von Pietro Andrea) für fünf Stimmen, drei Violen und Basso continuo. Die Sinfonia zu Alessandro Scarlattis Serenata „Clori, Dornio, Amore“ leitete zum Miserere mei Deus e-Moll über. Mit dem Lacrimosa aus Scarlattis Missa defunctorum ging die kontrastreiche musikalische Andacht zu Ende.
Um 1490 entstand Hans Memlings „Gottvater mit singenden und musizierenden
Engeln“. Auf dem monumentalen Gemälde sind verschiedene spätmittelalterliche
Musikinstrumente wie Psalterium, Trumscheit, Laute, Schalmei, Busine, Organetto
und Harfe detailgetreu abgebildet. Das Tiburtina Ensemble und Oltremontano
Antwerpen unternahmen Samstagnacht den spannenden Versuch, Memlings
Engelskonzert gleichsam zum Klingen zu bringen. In der Dominikanerkirche sangen
die sechs Tiburtina-Sängerinnen unter der Leitung von Barbora Kábátková (Sopran)
geistliche Gesänge u.a. aus dem Graduale Brugge (1506) und Kompositionen von
Guillaume Dufay, John Dunstable und Gilles Binchois – allesamt Zeitgenossen
Memlings. Wim Becu, Posaunist und Leiter von Oltremontano Antwerpen, ließ einige
der Instrumente des Engelskonzerts aufwendig rekonstruieren, so dass sein
Ensemble die schönen, „engelsgleichen“ Stimmen der Sängerinnen quasi authentisch
begleiten konnte. Das Ergebnis war ein kontrastreicher, gelegentlich eher rauer
als paradiesischer Klang, insbesondere wenn die Busine (eine lange, nicht
gewundene Trompete) oder der Trumscheit (ein großes, primitiv anmutendes
Streichinstrument) zu den Vokalstimmen hinzutraten. Obschon das Programm
stellenweise zu kleingliedrig dargeboten wurde, war diese „Pforte zum Paradies“
insgesamt eine weitere spannende Entdeckung der Tage Alter Musik.

Das Tiburtina Ensemble und Oltremontano Antwerpen vor Hans Memlings
musizierenden Engeln (Foto: Ingo Negwer)
Die Matinee am Pfingstsonntag wurde im Reichssaal von Les Épopées aus Frankreich gestaltet. Auf dem Programm standen Airs sérieux et à boire von Marc-Antoine Charpentier. Claire Lefilliâtre (Sopran), Cyril Auvity (Haute-contre, eine hohe Tenorstimme), Marc Maullon (Tenor) und Geoffroy Buffière (Bass) sangen in stets wechselnden Besetzungen die Lieder wie kleine Opernszenen und gelegentlich auch mit einer Prise Humor. Instrumental begleitet wurden sie von Alice Coquart (Basse de violon), Agnès Boissonnot Guilbaut (Viola da Gamba), Léo Brunet (Theorbe, Barockgitarre) und Stéphane Fuget (Cembalo und Leitung). So rückten Les Épopées auf unterhaltsame Weise Charpentier, den Meister großbesetzter geistlicher Musik, als Komponist kurzweiliger Kammermusik in ein neues Licht.

Claire
Lefilliâtre (Sopran) und Stéphane Fuget (Cembalo) lassen sich nach dem Konzert im Reichssaal feiern (Foto: Ingo Negwer)
Die Entdeckungstour führte mich am Nachmittag in die Alte Kapelle, wo das Ensemble Bonne Corde aus Portugal den weitgehend unbekannten Komponisten António Pereira da Costa (um 1697-1770) vorstellte. Die Concerti grossi h-Moll Nr. 6, C-Dur Nr. 10 und A-Dur Nr. 9 aus Opus 1 (London 1741) des portugiesischen Meisters, bildeten die zentralen Werke des Programms. Ihnen zur Seite stellte Bonne Corde Konzerte derselben Gattung von Francesco Geminiani und Arcangelo Corelli. Die zehn Musikerinnen und Musiker spielten unter der Leitung von Diana Vinagre temperamentvoll und zupackend. Trotz der empfindlichen Akustik in der hochbarock ausgestatteten Kirche überzeugten sie mit präziser Artikulation und transparentem Spiel. Corellis Concerto grosso D-Dur op. 6 Nr. 1 interpretierten sie mit anmutiger Eleganz. Im Cellokonzert a-Moll von Nicola Porpora stellte sich Diana Vinagre als vorzügliche Solistin vor. Berückend schön: das nur von Theorbe und Cello begleitete Adagio!

Die Cellistinnen des Ensembles Bonne Corde Diana Vinagre und Rebecca
Rosen(Foto: Ingo Negwer)
Verità Baroque wurde 2020 von der Flötistin Taya König-Tarasevich und dem Cellisten Bartolomeo Dandolo Marchesi gegründet. Das in Deutschland beheimatete Barockorchester reiht sich ein in die jungen, aufstrebenden Alte-Musik-Formationen, die man in den vergangenen Jahren des Öfteren nicht nur in Regensburg bewundern durfte. Ebenso frisch und ungezwungen wie kompetent haben sie sich das hochbarocke Repertoire von Antonio Vivaldi, Georg Philipp Telemann und Arcangelo Corelli zu eigen gemacht und interpretieren es mit virtuosem Verve und sicherem stilistischen Gespür. Zum Auftakt spielte Verità Baroque in der Dreieinigkeitskirche Vivaldis Sinfonia zur Oper „La Verità in Cimento“. Darauf folgten das Konzert A-Dur für Traversflöte, Violine, Violoncello, Streicher und Basso continuo aus Telemanns „Tafelmusik Teil 1“ und noch einmal Vivaldi mit dem Concerto grosso d-Moll Nr. 11 aus „L’Estro armonico“. Nach der Pause erklang das Concerto grosso D-Dur op. 6 Nr. 4 von Arcangelo Corelli. Die rastlos mit rhythmischem Drive voranstürmende Komposition „Starfish Rebellion“ des 1984 geborenen Komponisten Stefan Hanke brachte eine weitere unbändige Note in das erfrischende Programm des jungen Orchesters. Zum Abschluss ließ sich Taya König-Tarasevich, die mit sympathischer Moderation durch das Programm führte, nochmals als Solistin zusammen mit La Verità Baroque in Vivaldis Concerto „La Notte“ hören.
William Lawes fiel 1645 im englischen Bürgerkrieg. Er wurde gerade einmal 43
Jahre alt. Bekannt ist er heutigen Musikhörern vor allem als Komponist von Musik
für Gamben-Consort. Dass er in Diensten König Charles I. auch Kammermusik für
Harfe geschrieben hat, dürfte jedoch nur den wenigsten bekannt sein. Das
Ensemble Près de votre oreille stellte eine Auswahl dieser kurzen, aber
facettenreichen Harp Consorts vor. Inspiriert von Gedanken der belgischen
Philosophin Vinciane Despret über Tod und Erinnerung – als Prolog dem
eigentlichen Programm auf französisch vorangestellt – unternahm das Ensemble den
Versuch, William Lawes in dessen Musik für einen kurzen Moment ins Leben
zurückzuholen. Mit Music, the Master of thy Art is dead für drei Stimmen und
Basso continuo stimmten Maïlys de Villoutreys (Sopran), Fiona McGown
(Mezzosopran) und Olivier Gourdy (Bass) den melancholischen Grundton des
Programms an. Diese Elegie, sowie weitere geistliche Werke von William Lawes,
stammen aus den „Choice psalmes“, die 1648 posthum von Williams älterem Bruder
Henry veröffentlicht wurden. Sie bildeten gleichsam das programmatische Gerüst
des Nachtkonzerts, in das sich die Harp consorts als Intermezzi einfügten. Neben
Bérangère Sardin (Harfe) spielten Fiona Émilie Poupard (Violine, Tenor-Viola da
Gamba), Simon Waddell (Theorbe) und Robin Pharo (Viola da Gamba, Leitung). An
Orgel und Cembalo begleitete Loris Barrucand. Stimmlich und instrumental
überzeugend, bot das französische Ensemble in der Schottenkirche ein stimmiges
Konzept und ein schönes Plädoyer für William Lawes.

Maïlys de Villoutreys (Sopran), Olivier Gourdy (Bass) und Fiona McGown
(Mezzosopran) in der Schottenkirche (Foto: Ingo Negwer)
Noch zwei Konzerte standen am Pfingstmontag auf meinem persönlichen Festivalprogramm. Beide führten mich in die Dominikanerkirche, diesen eindrucksvollen Sakralbau aus dem 13. Jahrhundert, der nach seiner grundlegenden Renovierung wieder einer der zentralen Veranstaltungsorte der Tage Alter Musik war. Am Morgen stellte Comet Musicke dort die Komponistin Francisca Apumayta vor, die erst kürzlich durch die Musikwissenschaftlerin Daniela Maltrain wiederentdeckt worden ist. Francisca stammte aus der indigenen Musikerfamilie Apumayta, die im 18. Jahrhundert in Cusco (im heutigen Peru) und Cochamba (Bolivien) lebte. Ihr Vater Agustin war Maestro de capilla in Cochamba, ihr Bruder Diego übernahm die Stelle nach dessen Tod. Francisca wirkte als Komponistin und Musiklehrerin in einem Konvent, wo auch ihre Werke erhalten geblieben sind. Das französische Ensemble Comet Musicke um den Tenor und Gambisten Francisco Mañalich begab sich auf eine musikalische Zeitreise vom frühen 17. Jahrhundert bis hin zu Francisca Apumayta. Das besondere Augenmerk galt der Symbiose der spanischen und der indigenen Kultur in Südamerika, dargeboten in einer Erzählung aus der Perspektive Franciscas. Es erklangen Werke von Juan Pérez Bocanegra, Juan de Araujo, Tomás de Torrejón y Velasco und schließlich von Francisca Apumayta selbst das geistliche Konzert „Almas prevenid“ für zwei Soprane, zwei Violinen und Basso continuo. Den Abschluss bildete die Misa de la maestra Apumayta, die sich durch eine frühklassisch anmutende, durchweg gefällige Melodik auszeichnete.
Mit Musik der Renaissance endeten die Tage Alter Musik. Das britische
Ensemble Stile Antico – zwölf Sängerinnen und Sänger, die ohne Dirigenten
agieren – entfalteten am Montagabend vor dem Publikum ein Panorama der
großartigen europäischen Vokalmusik des 16. und frühen 17. Jahrhunderts. Nach
der Eröffnung mit Thomas Tallis Loquebantur variis linguis sandten sie
„Polyphonic Postcards“ aus Paris, Sevilla, München, Rom, Lissabon und Venedig.
Das musikalische Kaleidoskop umfasste sowohl geistliche als auch weltliche
Werke. Teils ging es auch humoristisch (Les Cris de Paris von Clément Janequin),
teils recht lautmalerisch zu (Das Geläut von Speyer von Ludwig Senfl). In jedem
Fall begeisterte Stile Antico mit erstklassigen Stimmen, die sich zu einem
beeindruckenden Gesamtklang vereinigten. Das vierstimmige Trist’Amarilli mia von
Philippe Verdelot, Claudio Merulas fünfstimmiges Vergine, madre figlia del tuo
figlio und Orlando di Lassos Laudate Dominum, omnes gentes a 12 wurden
solistisch interpretiert. Stile Antico folgte den großen Melodiebögen der
Stimmen mit ausgefeilter Dynamik, etwa in Palestrinas berühmter Motette Tu es
Petrus. Claudio Monteverdis Adoramus te, Christe klang in einem berückenden
Pianissimo aus. Als Schlusspunkt wählte das britische Spitzenensemble Ecco
Vinegia bella a 12 von Andrea Gabrieli. Hier wäre es wünschenswert gewesen,
hätte Stile Antico für die Doppelchörigkeit eine entsprechende räumliche
Trennung der Stimmen gewählt. Doch dies ist nur ein klitzekleiner Wermutstropfen
in einem beeindruckenden Abschlusskonzert, das vom Publikum zu Recht mit
stehenden Ovationen gefeiert wurde.

Zwei "Macher" der Tage Alter Musik: Ludwig Hartmann und Paul Holzgartner
(Foto: Ingo Negwer)
Nach dem Jubiläumsfestival des vergangenen Jahres fielen die Tage Alter Musik 2026 etwas bescheidener aus. Die ganz großen Namen der Alte-Musik-Szene waren dieses Mal nicht am Start. Das war allerdings kein Makel, denn umso mehr gab es heuer wieder viel Neues zu entdecken. Und dies ist seit über vierzig Jahren ein Markenzeichen der Tage Alter Musik, deren Beliebtheit sich in den hohen Besucherzahlen widerspiegelt: Fast jedes Konzert war seit Wochen ausverkauft. Mein Bericht kann nur Einblicke in das übergroße Konzertangebot geben. Einiges bleibt – leider – ungehört und unerwähnt, so die Beiträge zu Bachs „Welt der Tasteninstrumente“ vom Sonntagnachmittag mit Jermaine Sprosse und dem Duo Loris Barracand & Clément Geoffrey oder die Rekonstruktion eines Passionsoratoriums von Johann Sebastian Bach durch Il Gardellino in der Dreieinigkeitskirche. Doch letztlich macht dies die Faszination der sogenannten Alten Musik aus: Auch nach Jahrzehnten überkommt einen noch immer das Gefühl, etwas verpasst zu haben. So wird es sicherlich auch 2027 wieder sein, wenn vom 14. bis 17. Mai in Regensburg die Tage Alter Musik stattfinden.

Abendstimmung an der Donau (Foto: Ingo Negwer)
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