Ein Festival lässt sich feiern

Die 40. Tage Alter Musik in Regensburg (6. bis 9. Juni 2025)

von Ingo Negwer


Zum 40. Mal Tage Alter Musik in Regensburg. Das ist allemal ein Grund zum Feiern, und die Veranstalter von PRO MUSICA ANTIQUA – Stephan Schmid und Ludwig Hartmann mit ihrem großen, engagierten Team – taten dies zu Pfingsten mit einem ambitionierten Programm. Längst ist das renommierte Festival in Sachen Publikumszuspruch ein Selbstläufer. Die sechzehn Konzerte mit Musik vom Mittelalter bis zur Klassik sind meist schon Monate im Voraus ausverkauft. Für mich war es der 35. Besuch bei den Tagen Alter Musik. Elf Konzerte standen auf meiner Agenda.


Mit Giovanni Pierluigi da Palestrina, dessen 500. Geburtstag in diesem Jahr gedacht wird, gab es einen weiteren Jubilar zu feiern. Das taten zum Festivalauftakt die Regensburger Domspatzen zusammen mit dem Bläserensemble La Cetra aus der Schweiz. Unter der Leitung von Domkapellmeister Christian Heiß sangen sie vier- bis achtstimmige Motetten von Palestrina, Giovanni Gabrieli und Claudio Monteverdi. Die verbindende Klammer bildete die doppelchörige Missa octo vocum von Hans Leo Hassler. Damit war der Fokus bereits im Eröffnungskonzert auf die großbesetzte mehrchörige Kirchenmusik der späten Renaissance und des Frühbarock gerichtet, die auch an den weiteren Tagen im Zentrum stand. Die enormen Ausmaße des gotischen Regensburger Doms mit seiner halligen Akustik ließen nur wenig Transparenz zwischen den Stimmen zu. Dessen ungeachtet überzeugten die Domspatzen einmal mehr mit wunderbaren Stimmen und machten das Konzert zu einem vorzüglichen sinnlichen Erlebnis. La Cetra begleitete auf Zinken, Posaunen, Violone und Orgel und setzte mit Musik von Marini und Merula einige rein instrumentale Akzente.

 


Eröffnungskonzert im Dom St. Peter mit den Regensburger Domspatzen und La Cetra Basel

(Foto: Ingo Negwer)


Weiter ging es in der Schottenkirche. Dorothee Mields und Hana Blažíková gehören seit vielen Jahren zu den führenden Sopranistinnen der historischen Aufführungspraxis. Im ersten Nachtkonzert zeichneten sie zusammen mit dem Hathor Consort ein musikalisches Porträt der Komponistin und Gesangsvirtuosin Barbara Strozzi. Mields und Blažíková nahmen sich der wunderbaren Musik der Strozzi mit Hingabe an. Blažíková mit etwas schärferem, markantem Sopran, Mields lyrisch, quasi schwerelos singend, vereinten sie ihre Stimmen in den Duetten zu einer harmonischen Einheit. Erinnerungen wurden unwillkürlich wach an Emma Kirkby und Evelyn Tubb mit dem legendären Consort of Musicke. Das war begeisterndes darstellerisches Singen auf höchstem Niveau. Den beiden Sängerinnen zur Seite stand das Hathor Consort mit Violine, Nyckelharpa und einer umfangreichen Continuo-Gruppe, bestehend aus Arciliuto, Theorbe, Barockgitarre, zwei Harfen, Salterio und Orgel. Die Gambistin und Leiterin Romina Lischka setzte mit Bartolomeo de Selma y Salaverdes Variationen über „Susanne un jour“ ein besonderes virtuoses Ausrufezeichen. Strozzis Duett „Baci“ und ein letzter Kuss beendeten das Programm. Das jubelnde Publikum wurde mit einer Zugabe – „Tradimento“ von Barbara Strozzi – in die Regensburger Nacht entlassen.

 


Dorothee Mields und Hana Blažíková in der Schottenkirche
(Foto: Ingo Negwer)

Die Matinee des jungen Ensembles The Tunelanders aus der Schweiz hätte am Samstag ein weiterer Festivalhöhepunkt werden können. Musikalisch war sie es auch ohne Zweifel. Amir Tiroshi (Flöten), Vadym Makarenko (Barockvioline), Soma Salat-Zakariás (Viola da Gamba), Pablo FitzGerald (Barockgitarre) und Joan Boronat (Cembalo) präsentierten eine lockere Mischung englischer, schottischer und irischer Folkmusik in eigenen Arrangements oder ausgewählt aus historischen Quellen von Francesco Geminiani u.a. einerseits und Barockmusik von Corelli (Violinsonate D-Dur op. 5 Nr. 1) und Händel (Blockflötensonate F-Dur) andererseits. Leider wurde das Konzerterlebnis, eine Reminiszenz an Live-Musik in einem irischen Pub des 18. Jahrhunderts, durch die äußeren Umstände im schwülwarmen Saal des Leeren Beutels sehr getrübt. Dass man Programme für mittlerweile 10 Euro pro Stück verkauft (nach wie vor sehr informativ und damit lohnenswert), aber gleichzeitig den Saal abdunkelt, mag noch angehen. Dass man aber die Stühle – viele nur so breit, dass sie kaum Viertklässlern zumutbar sind – auch noch mit Kabelbindern aneinanderkettet, ist wohl dem inzwischen überhand nehmenden Sicherheitswahn in unserem Land geschuldet. So mussten erwachsene fremde Menschen dicht an dicht und Schulter an Schulter fast anderthalb Stunden der wirklich kurzweiligen Musik beinahe atemlos lauschen. Auf einen flehenden Blick des Cembalisten blieb wenigstens die einzige Tür zum Saal irgendwann offen. Die sympathischen Tunelanders hätten für ihren Auftritt wahrlich bessere Bedingungen verdient. Dennoch begeisterten sie tapfer ihr Publikum und ließen noch manche Zugabe hören.

 


The Tunelanders im Leeren Beutel
(Foto: Ingo Negwer)

Musik an historischen Orten fordert ihren Tribut, sei es auf harten Bänken, in kalten Kirchen oder in schwülwarmen Sälen. Treue Besucher der Tage Alter Musik nehmen das gerne in Kauf. Auch im Reichssaal kann man leicht ins Schwitzen kommen. Doch in diesem Jahr – das Wetter zu Pfingsten war recht durchwachsen – hatten wir Glück. Into the Wind, ein fünfköpfiges Bläserensemble aus Frankreich, lud am frühen Samstagnachmittag zu einer Zeitreise durch die Geschichte der europäischen Tanzmusik vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit ein. Der Tanz hatte in jener Zeit sowohl beim Adel als auch beim Bürgertum repräsentative Aufgaben. Entsprechend klangen die Estampies, Basse Danses und Balli, mit Pommern, Zugtrompeten, Businen und Schlagwerk vorgetragen, erhaben und prächtig. Darüber hinaus wusste Into the Wind auch mit leiseren, graziösen und virtuosen Klänge zu überzeugen.

 


Der vollbesetzte Reichssaal mit Into the Winds.
(Foto: Ingo Negwer)

Mit großer Spannung wurde am Abend der inzwischen vierte Auftritt von Solomon’s Knot bei den Tagen Alter Musik erwartet. Die britische Formation hat unter der Leitung von Jonathan Sell ein reines Bach-Programm mit nach Regensburg gebracht. Zum Auftakt und gleichsam als thematische Einführung erklang die Trauerode, die 1727 anlässlich des Todes der Christiane Eberhardine von Brandenburg-Bayreuth aufgeführt wurde. Das achtköpfige Vokalensemble, durchweg auswendig singend, und die Instrumentalisten um Konzertmeister George Clifford (Violine) präsentierten sich ein weiteres Mal in Bestform, ließen musikalisch kaum Wünsche offen. – Das galt auch für das Hauptwerk des Programms, das nach einer sehr kurzen Pause zu erleben war. 1729 wurde zum Gedenken an den verstorbenen Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen – Bachs früherem Dienstherrn – die sogenannte „Köthener Trauermusik“ aufgeführt. Anders als im Fall der Trauerode ist die Musik allerdings verschollen. Nur der Text ist überliefert. Chad Kelly und Jonathan Sell haben den Versuch einer Rekonstruktion der Trauermusik unternommen, indem sie auf Sätze aus der Matthäus-Passion und der Trauerode zurückgegriffen haben. Lediglich eine Fuge über „Wir haben einen Gott, der hilft“ komponierte Kelly durchaus gekonnt im Stile Bachs neu. – Letztlich offenbarte sich an diesem Abend das Problem der Rekonstruktion verschollener Werke an sich. Wo ist der Zugewinn? Der Text ist erhalten, die Musik auch, nur an anderer, geeigneterer Stelle. Die wunderschöne Bass-Arie „Komm, süßes Kreuz“, in der Erstfassung der Matthäus-Passion mit obligater Laute, erklang nun auf den Text „Lass, Leopold, dich nicht begraben“. Wir kennen Bachs Praxis, Sätze aus Gelegenheitskompositionen in Werke von „bleibendem Wert“ einzuarbeiten. Das Weihnachtsoratorium und die H-Moll-Messe verdanken dieser Praxis ihre Existenz. Muss man den umgekehrten Weg gehen? Mir fehlte in der wiedererstandenen „Köthener Trauermusik“ die Stringenz, der rote Faden, zumal die Akteure beinahe nach jedem Satz ihre Positionen wechselten. Nach mehr als zweieinhalb Stunden in den Kirchenbänken der Dreieinigkeitskirche (s.o.) wurde das Publikum mit dem Schlusschor „Die Augen sehen nach deiner Leiche“ (besser bekannt als „Wir setzen uns mit Tränen“ aus der Matthäus-Passion) entlassen. Zurecht brandete großer Applaus auf, denn die Interpretationen der beiden Trauermusiken war herzerwärmend und großartig. Dass Johann Sebastian Bach – vor allem im festen Glauben an den bleibenden Wert insbesondere der „Matthäus-Passion“ – nach der einmaligen Aufführung der „Köthener Trauermusik“ mit den nicht mehr benötigten Noten seine Leipziger Wohnung gewärmt hat, ist wahrscheinlich und nachvollziehbar.


Doch die Nacht war in Regensburg noch nicht zu Ende, denn in der bis zum letzten Platz besetzten Dominikanerkirche feierte der Tenebrae Choir den 500. Geburtstag von Giovanni Pierluigi da Palestrina. Mit zwei Motetten – „Musica Die donum optime“ von Orlando di Lasso und „Viri Galilaei“ von Palestrina – eröffneten die 14 Sängerinnen und Sänger ihr Programm. Anschließend sangen sie die sechsstimmige Messe Viri Galilaei des Jubilars. Es folgten Werke von Felice Anerio, Palestrinas Nachfolger an der päpstlichen Kapelle in Rom, und schließlich Palestrinas Stabat Mater zu acht Stimmen. Wie schon 2018 begeisterte der Tenebrae Choir unter der Leitung von Nigel Short das Publikum der Tage Alter Musik mit einer Stimmkultur, die angemessen nur mit dem Adjektiv „perfekt“ zu beschreiben ist. Absolut homogen und transparent erhoben die Sängerinnen und Sänger in dem gewaltigen Kirchenschiff ihre Stimmen. Ein Nachtkonzert, das in bester Erinnerung bleiben wird.

 


Nachtkonzert in der Dominikanerkirche St. Balsius mit dem Tenebrae Choir unter der Leitung von Nigel Short
(Foto: Ingo Negwer)

Spanische Renaissancemusik erklang am Pfingstsonntag nachmittags in der Schottenkirche. Das junge Ensemble Cantoría stellte sogenannte „Ensaladas“ von Matea Flecha dem Älteren vor, volkstümlich anmutende, zumeist vierstimmige Lieder, die in metaphorischer Weise Bezug auf aktuelle Ereignisse nehmen. In „La Guerra“ wird zum Beispiel Kaiser Karl V. mit Jesus gleichgesetzt und der türkische Sultan Suleiman I., der die Stadt Wien belagerte, mit dem Teufel. Inés Alonso (Sopran), Belén Herrero (Alt), Jorge Losana (Tenor), der das Publikum amüsant durch das Programm führte, und Lluís Arratia (Bass) boten das außergewöhnliche Repertoire unterhaltsam und kurzweilig dar. Jeremy Nastassi begleitete die Sänger aufmerksam auf dem Arciliuto, statt auf der Vihuela – die kurz vor dem Konzert leider Schaden genommen hatte.

 


Cantoría in der Schottenkirche, v.l.n.r.: Marc de la Linde (Viola da Gamba), Jorge Losana (Tenor und Leitung),
Lluis de Arratia (Bass),Inés Alonso (Sopran) und Belén Herrero (Alt)
(Foto: Ingo Negwer)

„Splendor Austriae“ titelte Ars Antiqua Austria sein Konzert, das am Abend zu erleben war. Gunar Leztbor, Violinist und Leiter des Ensembles, bat zu Beginn um Entschuldigung, dass er aufgrund eines Hexenschusses nicht selbst zur Geige greifen konnte. So musste die geplante Sonata S. Gregori von Benedikt Anton Aufschnaiter entfallen. Stattdessen spielten vier Trompeten mit Pauke eine majestätische Eröffnung, ehe Aufschnaiters zwölfstimmige Missa Laetemurine als erstes Hauptwerk erklang. Nach der Pause ging es musikalisch nach Salzburg, wo einst Heinrich Ignaz Franz Biber wirkte. Auf sein kontemplatives „Laetatus sum“ folgte die monumentale Vesper zu 32 Stimmen aus dem Jahr 1674. Wie in der Messe von Aufschnaiter war auch hier deutlich vernehmbar, dass man seinerzeit den Blick nach Venedig richtete und versuchte, die dort erblühte Mehrchörigkeit noch zu übertrumpfen. Den Sängern stand ein großer Apparat an Instrumentalisten zur Seite: vier Trompeten, drei Posaunen, Pauke, zwei Zinken, Streicher, drei Lauten und drei Orgeln. Das Resultat war auch in der Regensburger Dreieinigkeitskirche geradezu überwältigend. Allerdings gelang der Versuch, Authentizität zu gewährleisten und statt Sopranistinnen und Altistinnen die durchaus anmutig singenden St. Florianer Sängerknaben hinzuzuziehen, nur bedingt. Waren um 1700 die Knaben schon deutlich älter und ausgewachsener, ehe sie in den Stimmbruch kamen, ist es heute arg schwierig, insbesondere in solch großen Besetzungen eine ausgewogene Balance zwischen Männer- und Knabenstimmen herzustellen. Insbesondere die Knabensoli der St. Florianer waren angesichts der massiven Klangwolken sehr zart und kamen neben ihren erwachsenen Kollegen quasi ständig dynamisch und intonatorisch in den Grenzbereich der eigenen Stimmen.

 


Höfischer Prunk in der Dreieinigkeitskirche. Ars Antiqua Austria und die St. Florianer Sängerknaben
(Foto: Ingo Negwer)

Während der Tage Alter Musik vergeht die Zeit gewöhnlich wie im Fluge. Schon war der Pfingstmontag und damit letzte Festivaltag angebrochen, als sich das Publikum im Reichssaal einfand, wo noch einmal  Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber aufgeführt wurde. Newton Baroque aus den USA richtete den Fokus allerdings auf den Geigenvirtuosen und Kammermusiker. Die Barockgeigerinnen Christina Day Martinson und Susanna Ogata spielten eine Auswahl von Triosonaten aus den „Harmonia Artificiosa Ariosa“, die erstmals 1696 in Salzburg veröffentlicht wurden. Ihnen zur Seite zeichneten Cullen O’Neil (Violoncello) und Andrus Madsen (Cembalo) für den Generalbass verantwortlich. Biber verlangt für jede Partita eine spezielle Skordatur der Violinen, die den Instrumenten je nach der Haupttonart eine ganz eigene Resonanz verleiht. Durch eine geschickte Programmfolge – Partita III A-Dur, Partita I d-Moll, Partita V g-Moll – näherten sich die beiden Violinen Schritt für Schritt der Normalstimmung, die für die abschließende Partita VI D-Dur letztlich erreicht wurde. Das Umstimmen der Instrumente gelang, ohne den Programmablauf über die Maßen zu stören. Dazu trugen auch die von Andrus Madsen eingestreuten Erläuterungen zu den Werken bei. Bibers Musik begeistert durch ihren Facettenreichtum. Mal kommt sie quasi mit französischer Eleganz daher, mal verspielt, einmal als majestätisches Zwiegespräch zwischen den Geigen, ein andermal mit hochvirtuosen Barriolage und Arpeggii. Newton Baroque brachte diese exquisite Kammermusik kompetent und mit musikantischer Frische zum Klingen.

 


Newton Baroque im Reichssaal, v.l.n.r.: Christina Day Martinson (Violine), Andrus Madsen (Cembalo)
Cullen O'Neil (Violoncello) und Susanna Ogata (Violine)
(Foto: Ingo Negwer)

In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert versetzten drei Sängerinnen, die sich zugleich auf Harfe, Laute und Viola da Gamba begleiteten, die Musikwelt Italiens in Erstaunen. Am Hof des Herzogs Alfonso II. d’Este in Ferrara traten die Sopranistinnen als Concerto segreto mit einem außergewöhnlichen, lange unter Verschluss gehaltenen Repertoire auf. Luzzasco Luzzaschi war der Komponist dieser Madrigale. An anderen Höfen fanden die singenden Damen bald Nachahmerinnen. Giulio Caccini und seine Tochter Francesca, Luca Marenzio und sogar Claudio Monteverdi komponierten von Instrumenten begleitete Madrigale für drei Frauenstimmen. – Nach dem Vorbild des Concerto segreto oder Concerto delle donne trugen Camile Allérat, Julie Roset und Ana Vieira Leite in der Minoritenkirche mit schlanken, virtuosen Stimmen eine Auswahl aus den „Madrigali per cantare et sonare“ vor, die Luzzaschi nach dem Ende des Concerto segreto veröffentlichte und damit der Nachwelt bewahrte. Außerdem präsentierten sie Auszüge aus Francesca Caccinis Oper „La liberazione di Ruggiero dall’isola d‘Alcina“ und Monteverdis „O come dolce hoggi l‘auretta“ sowie Marenzios „Belle ne fe natura“ aus der Bühnenmusik zu „La Pellegrina“. Yoann Moulin (Cembalo), Garance Boizot (Viola da Gamba) und Ulrik Gaston Larsen (Theorbe) komplettierten das Ensemble La Néréide.

 


La Néréide in der Minoritenkirche, v.l.n.r.: Camille Allérat (Sopran), Garance Boizot (Viola da Gamba), Yoann Moulin (Cembalo)
Ana Vieira Leite (Sopran), Ulrik Gaston Larsen (Theorbe) und Julie Roset (Sopran)
(Foto: Ingo Negwer)

Dem festlichen Anlass mehr als angemessen gingen die 40. Tage Alter Musik am frühen Abend zu Ende. Mit dem gregorianischen Choral „Beata viscera“ zog Le Concert Spirituel, angeführt von Hervé Niquet, in die Dominikanerkirche ein. Dort formierte sich das französische Ensemble in der Vierung kreisförmig in fünf Chören plus Instrumentalisten (Zink, Posaunen, Dulziane, Basso continuo) für ein Johannesoffizium, wie es Mitte des 17. Jahrhunderts im Dom zu Florenz aufgeführt worden sein könnte. Den Fixpunkt bildete die Missa sopra Ecco sì beato giorno von Alessandro Striggio, ergänzt durch geistliche Musik von Orazio Benevoli, Francesco Corteccia und – selbstverständlich – Giovanni Pierluigi da Palestrina. Die Wirkung der 40-stimmigen Messe in der großen Dominikanerkirche war geradezu umwerfend. Wie Meereswogen bauten sich die Spannungsbögen auf, präzise und markant von Niquets geleitet, um sich immer wieder in einem wahren Klangrausch über den Köpfen der ca. 800 Zuhörerinnen und Zuhörer zu entladen. So also ließen die Herzöge der Toskana sich, ihre Macht und ihren Reichtum feiern. Zum Finale – die Abendsonne erleuchtete die Dominikanerkirche – feierten die Musikerinnen und Musiker mit einer monumentalen Darbietung die 40. Auflage der Tage Alter Musik in Regensburg. Schließlich schlug ihnen begeisterter Applaus des Publikums entgegen. Standing ovations zum Abschluss eines gelungenen Festivals. Man kann den Veranstaltern nur gratulieren und weiterhin ein glückliches Händchen wünschen. – Ad multos annos!


Hervé Niquet und sein Concert Spirituel lassen sich vom Publikum feiern
(Foto: Ingo Negwer)


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