Während die Gitarre im heutigen Musikleben quasi allgegenwärtig ist, sei es in Klassik, Jazz, Rock oder Folk, gehören die Lauten nach wie vor zu den "Raritäten". Sie finden überwiegend in der sogenannten historischen Aufführungspraxis der Musik vom Mittelalter bis zum Barock Verwendung.
Auf dieser Seite gebe ich anhand meiner Instrumente eine kleine Einführung in die
Welt der Lauten.
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7-chörige Renaissancelaute (nach V. Venere, Padua um
1580) von Markus Dietrich, 2005. Die Renaissancelaute hatte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts elf Saiten, die paarweise in fünf Chören zusammengefasst waren; lediglich die höchste Saite (Chanterelle) war einzeln. Die Stimmung ist derjenigen der modernen Gitarre ( E A d g h e') sehr ähnlich, allerdings waren Lauten in A bzw. in G am weitesten verbreitet (A d g h e' a' bzw. G c f a d' g'). Die älteste überlieferte Solomusik von Spinacino, Dalza, Capirola, Judenkünig, Attaignant u.v.m. setzt ein solches Instrument ebenso voraus, wie die großartigen Kompositionen von Francesco da Milano oder Albert de Rippe. Auch das spanische Rerpertoire für die Vihuela (ein Zupfinstrument der Gambenfamilie) lässt sich auf einer 6-chörigen Laute spielen (L. Milan, Mudarra Narvaez etc.). Nach 1550 erweiterte man die Laute um einen Chor, der i.d.R. eine Quarte oder einen Ganzton tiefer als der sechste Chor gestimmt wurde. Diese 7-chörige Laute war noch bis in das 17. Jahrhundert weit verbreitet. Sie ist das typische Instrument für die englische Solomusik und die Lautenlieder z.B. von John Dowland. Darüber hinaus gab es auch 8-chörige Lauten. Da sie (in G-Stimmung) sowohl ein tiefes D als auch ein F haben, kann man die gesamte Literatur der Renaissance auf ihnen spielen, ohne den Basschor umstimmen zu müssen. Wegen ihrer Vielsseitigkeit sind sie daher auch heute noch insbesondere als Einsteigerinstrument sehr zu empfehlen. Stimmung der abgebildeten Laute: D G c f a d' g' |
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10-chörige Renaissancelaute (nach Tieffenbrucker,
Padua um 1600) von Markus Dietrich, 2001. Lauten mit zehn Chören (9 x 2 + 1 Saite) wurden im frühen 17. Jahrhundert allmählich zum Standard. Sie sind für die Epoche des Frühbarock richtige Allrounder. Kompositionen von Nicolas Vallet, Jean-Baptiste Besard, Robert Johnson, Giovanni Girolamo Kapsberger u.v.a. setzen diesen Typus voraus. Nach 1620 hat man insbesondere in Frankreich mit verschiedenen Lautenstimmungen experimentiert. Neben der alten Standardstimmung (vieil ton) gab es schon bald für die Solomusik eine Vielzahl neuer Stimmungen (accords nouveaux). Auf diese Weise wollte man das Klangspektrum des Instruments erweitern und dem sich wandelnden Musikgeschmack des beginnenden Barockzeitalters anpassen. Ausgangspunkt all dieser Experimente blieb jedoch zunächst die 10-chörige Laute. Sie eignet sich des Weiteres auch für die Begleitung von französischen und englischen Lautenliedern. Außerdem lässt sich darauf auch schon ganz gut ein früher Generalbass realisieren. Stimmung: C D E F G c f a d' g' |
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Links: 13-chörige Barocklaute (nach Joh. Chr.
Hoffmann, um 1730) von Markus Dietrich, 1999. Rechts: 13-chörige theorbierte Barocklaute (nach L. Widhalm, 1755) von Markus Dietrich, 2008. Um 1650 hat sich in Frankreich nach einer längeren Phase des Experimentierens schließlich eine neue Standardstimmung etabliert. Auch die Konstruktion der Laute wurde verändert. Das Ergebnis ist die 11-chörige Barocklaute, die bald in ganz Europa die alte Laute verdrängte. Zahlreiche Instrumente aus dem 16. Jahrhundert wurde umgebaut und überlebten auf diese Weise den tiefgreifenden Wandel. Lediglich in Italien ging man eigene Wege, hielt am vieil ton fest, entwickelte aber mit Chitarrone und Arciliuto neue große Lautentypen (s.u.). Während in Frankreich nach 1700 der Stern der Laute zu sinken begann, erlebte die Barocklaute im deutschsprachigen Raum noch eine späte Blüte. So zählen z. B. die Werke von Silvius Leopold Weiss und Johann Sebastian Bach zu den bedeutendsten Schöpfungen des gesamten Lautenrepertoires schlechthin. Das Instrument erfuhr schließlich noch eine letzte Erweiterung im Bassbereich: In einem Bassreiter oder mittels eines verlängerten Halses mit einem zweiten Wirbelkasten (eine sogenannte Theorbierung mit dem charakteristischen "Schwanenhals") wurde die Barocklaute schließlich 13-chörig. Stimmung: A B C D E F G A d f a d' f' |
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14-chöriger Arciliuto (nach Matteo Sellas, 1630) von
Markus Dietrich, 1997. Der Arciliuto (Erzlaute) ist eine italienische Entwicklung des ausgehenden 16. bzw. frühen 17. Jahrhunderts. Alessandro Piccinini (1560-1638) bezeichnet sich selbst als Erfinder des Arciliuto. Ob wir ihm glauben dürfen? Jedenfalls komponierte er eine stattliche Anzahl sehr schöner Solowerke für diese außergewöhnlich Laute. Des Weiteren schrieben u.a. Pietro Paolo Melii und der Vivaldi-Zeitgenosse Giovanni Zamboni Musik für den Arciliuto. Und auch Kapsbergers Lautenwerke klingen auf diesem Instrument sehr schön. Neben seiner solistischen Funktion ist der Arciliuto aber vor allem ein überaus vielseitiges Generalbass-Instrument und im Basso continuo von Monteverdi bis Händel quasi überall einsetzbar - sei es in Oper, Konzert oder Kirche. Stimmung: F G A B C D E F G c f a d' g' |
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14-chöriger Chitarrone (nach Matteo Sellas, um 1635)
von Markus Dietrich, 2003. Der Chitarrone wurde etwa zur gleichen Zeit wie der Arciliuto erfunden. Zunächst in Italien zuhause, fand er während der Barockzeit in ganz Europa als Generalbass-Instrument Verwendung. Auffällige Merkmale dieses Instruments, das auch als Theorbe bezeichnet wurde, sind die durchgehende Einzelbesaitung und die sehr große Mensur (schwingende Saitenlänge). Letzteres ist der Grund dafür, dass man die ersten beiden Saiten eine Oktave tiefer als bei gewöhnlichen Lauten stimmt. Giovanni Girolamo Kapsberger (um 1580 - 1651) war der erste bedeutende Virtuose des Chitarrone. Seine Zeitgenossen nannten ihn "il tedesco della tiorba". Er veröffentlichte u.a. einige Bücher mit Solomusik für dieses Instrument. Weitere bedeutende Komponisten sind u.a. Alessandro Piccinini, Bellerofonte Castaldi, Giovanni Pittoni und in Frankreich Robert de Visée. Stimmung: G A H C D E F G A d g h e a |
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